Die weißen Perlen Aserbaidschans
Diese Rasse orientalischer Reitpferde ist in den Gebieten Kasakh, Akstafa und Tauz in Azerbaidschan sowie in den angrenzenden Gebieten Georgiens und Armeniens entstanden. In einigen älteren Schriften wird sie als „Kasachen“-Pferd oder als „Azerbaidshan-Pferd“ beschrieben. Agrar- Ingenieure entwickelten daraus einen spezifischen Dillboss-Typ unter den Reitpferdepopulationen der genannten Gebiete in den Jahren 1930 bis Ende der 40er.

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Diese Pferde, die auch Delbaz, Deliboss oder Dilboss genannt werden, wurden selektiert aus den bestehenden Landpferdestuten und gekreuzt mit Vollblutaraberhengsten, bzw. weißen Karabaghhengsten mit guten Reitpferdepoints. Hier ist erwähnenswert, dass auch Karabaghen vor Beginn der Registrierung 1949 in der Farbe Schimmel anzutreffen waren (Bayaset zum Beispiel), im weiteren Verlauf der Karabaghzucht jedoch als unerwünscht galten. Vor allem die Regionen im und um den Kaukasus waren für ihre besonders arbeitswilligen und ausdauernden Pferde bekannt: trittsicher, belastbar, umgänglich und trotzdem schnell; das waren und sind sie noch heute: Dillbossen, Karabaghen und Kabardiner.
Dillbosspferde verbreiteten sich schnell auch weit über die Grenzen Westaserbaidschans hinaus. Im Jahre 1943 wurde eine staatliche Zuchtgemeinschaft gegründet, die es sich zur Aufgabe machte, die Reitpferdebestände des Landes zu sichern und eine gezielte Anpaarung vorzunehmen, die die positiven Eigenschaften des Reitpferdes konsolidiert.
Dillboss-Pferde sind unwahrscheinlich zäh und ausdauernd, haben ein zügelbares Temperament und vererben prädominant Tölt, bzw. Passgang. Typisch für diese Rasse ist aber auch ein Längsschnitt in der Zunge, der wie eine gegabelte Zunge wirkt. (nach diesen Eigenschaften befragt, reagieren heutige Dillbosszüchter mit Erstaunen, bzw. man erhält die Antwort, dass dies früher wohl so gewesen sei).
Die Dillbossen sind willige Arbeitspferde, die mühelos 45 bis 55 km am Tag mit 115 bis 130 kg Gepäck im Bergland bewältigen. Ohne Lasten schaffen sie mit Leichtigkeit 70 km pro Tag unter dem Sattel. Die besten Rennresultate sind 1:56 Minuten für 1600 m und 2:55 Minuten für 2400 Meter.
pahlevan_ch_5.jpgP1070176.JPGGegenwärtigbasiert die Abstammung der allermeisten Dillbosspferde noch auf den Tersker-Hengsten Tselostat und Pygmalion, deshalb wird das Problem immer dringender, die lokalen Pferde wieder auf ihre ursprüngliche Basis zu bringen und den Bestand an heimischen Pferden zu sichern. Deshalb hat man im Gestüt Daschjus z. Zt. etwa 140 der typischsten Dillbosspferde, wobei die Zuchtstuten mit einem ausgeprägten Tersker- Blutanteil mit gerechnet sind, selektiert und versucht nun, mit einer leichten Rückkreuzung mit einem oder zwei Hengsten ohne großen Tersker- Blutanteil, wieder zur ursprünglichen Rasse zurückzukehren. Leider sind heute (April 2002) nur noch wenige Exemplare dieser Rasse vorhanden, so dass mehr und mehr mit Vollblutarabern gekreuzt werden muss. Es steht zu befürchten, dass der originale Dillboss bereits nicht mehr existiert.

Erst mit dem Zusammenbrechen der ehemaligen Sowjetunion und dem Aufbau einer eigenen Regierung mit einem eigenen Landwirtschafts- ministerium fanden sich auch Personen, die sich um die Reinzucht der Dillbossen kümmern, für die erst seit 1948 ein eigenes Stutbuch eröffnet wurde. Leider war jedoch die Basis schon da so weit reduziert, dass fast alle heutigen Dillbossen mindestens einmal, oft mehrfach den Namen Pinti in ihrem Pedigree aufweisen. Seit den 50er Jahren wurden die Pferde in Aserbaidschan mit Araber- und Tersker-Hengsten angepaart, während die Karabaghenrasse getrennt gezüchtet wird.

 

Text: Verena Scholian

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